Geschichte
 
Bild der Geschichte Niederzimmerns
 
Richard Wagner in Niederzimmern
 
Geschichtliches aus Niederzimmern
 
876 n. Chr.
Erste urkundliche Erwähnung
Im Jahre 876 wurde Niederzimmern zum ersten Mal in den "Zehnt - Streitigkeiten" zwischendem Erzbischhöfen von Fulda und Mainz auf dem Reichstag zu Ingelheim urkundlich erwähnt. Funde von Hühnengräbern mit Skelettresten, Urnen und Grabbeigaben lassen darauf schließen, daß unsere Gegend schon 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung besiedelt war.

Niederzimmern, ein großes Kirchdorf an der Gramme, hatte in der Vergangenheit viele Namensformen. Seit 1815, nach dem Wiener Kongreß, besitzt das Dorf seinen jetzigen Namen.

1346
Teil der Stadt Erfurt

Als Lohn für treue Kriegsdienste wurde der Ort im Jahre 1346 vom Grafen von Orlamünde den Erfurtern geschenkt. Seither bildet Niederzimmern mit seiner Gemarkung die östliche Grenze der Stadt Erfurt. Der Wartturm, 252 m ü.NN, wurde in dieser Zeit zur Grenzsicherung erbaut und gilt als eines der Wahrzeichen des Ortes.

1400-1500
Wirtschaftlicher Aufschwung
In der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwunges (1400 bis 1500) spielte der Waidanbau eine wesentliche Rolle. Ab 1600 kam der Anbau von Flachs, Hopfen und Wein hinzu.

1613-1830
Flut, Pest und Feuer

Kriege, Unglücksfälle und Katastrophen haben das Dorf schwer getroffen. So zerstörte die Thüringer Sintflut 1613 etwa 125 Häuser. Die Pest forderte 1683 insgesamt 295 Opfer, Feuerbrunst wütete 1744, 1775, 1814 und 1830.

Kirchen

Bis zum Jahre 1852 hatte Niederzimmern zwei Kirchen, die Bonifaziuskirche im Oberdorf und die Wigbertikirche im Unterdorf. Erstere wurde 1854 abgerissen. Zu den beiden Kirchen gehörten Schulen und je eine Pfarrei. Die Wigbertikirche entstammt in ihren älteren Teilen der gotischen Zeit, etwa um 1420. Als sehenswert sind hier die bildlichen Darstellungen des alten und neuen Tastamentes an den Emporen zu nennen.


Die Lage

Die Flur der Gemeinde umfaßt etwa 1350 Hektar und dehnt sich nach allen Richtungen bis nahe an die Nachbarorte aus. Die Bewohner der Wüstungsorte Nanigdorf, Getorn, Arnstedt, Mannzimmern und Wittelsborn siedelten sich zum großen Teil in Niederzimmern an, um besseren Schutz vor Feinden zu haben. Den Ort umgab im Mittelalter ein von der Gramme gespeister Wassergraben. Dahinter befand sich eine Steinfeste mit Mauern und Wällen. Die wichtigsten von sechs bekannten Toren: das Falltor, das Erfurter Tor und das Angertor. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden die Dorfbefestigungen zerstört. Der Ort besaß über 200 Wohnhäuser, was auf eine damalige Einwohnerzahl von 1000 Bürgern schließen läßt.

Niederzimmern wurde von keiner der alten Landstraßen berührt, auf denen sich früher der Verkehr abspielte. Die "Hohe Straße" die Frankfurt a. M. mit Görlitz verband, ging knapp nördlich an der Niederzimmerner Flur vorbei. Ein Nebenweg dieser Straße, der Erfurt ausließ, führte von Ollendorf über Niederzimmern, Vieselbach, Büßleben und Melchendorf oder umgekehrt. Das dieser Nebenweg gern genutzt wurde, bezeugen die vielen Gasthäuser zu dieser Zeit im Ort. Auch führte die sogenannte "Salzstraße", von Schloßvippach, Eckstedt und Ollendorf kommend, über Utzberg, Bechstedtstraß und Gutendorf nach Rudolstadt, durch unseren Ort. Einige Hinweise zeugen noch heute im Ort davon. So z. B. der "Sülzenanger" (Salzanger).

Handwerk, Gerichtswesen

Handwerk und Gewerbe trugen in der Gemeinde stets Früchte. Ihre Blütezeit war von etwa 1600 bis 1850. Niederzimmern besaß das Gerichtswesen von 1470 bis 1706 als Vogtei. Unter Kurmainzer Herrschaft (von 1706 bis 1818) wurden die alten Vogteien aufgehoben und Ämter eingerichtet. Die Vogteien Kerspleben und Niederzimmern bildeten dann das Amt Azmannsdorf.

1804-13
Französische Besatzung
Im Jahre 1804 erfolgte die Besetzung des Dorfes durch französische Truppen, welche bis 1813 dauerte.

1841
Planung einer Eisenbahnlinie nach Niederzimmern

1844
Wirtschaftliche Stagnierung durch das Scheitern des Plans
Im Jahre 1841 schlossen Preußen, Sachsen - Weimar, Sachsen - Coburg - Gotha und Hessen einen Vertrag zum Bau einer Eisenbahnlinie von Halle, Naumburg, Weimar, Erfurt, Gotha und Eisenach nach Kassel ab. Die geplante Streckenführung entlang am Fuße des Ettersberges über Niederzimmern, Töttleben und Ilversgehofen nach Erfurt mußte 1844 verworfen werden, da sich Grundbesitzer, auch aus unserem Ort, weigerten, ihr Land zu verkaufen. So erhielt die Streckenführung über Hopfgarten - Vieselbach den Zuschlag. Damit wurde eine Stagnierung der Entwicklung des Ortes unbewußt eingeleitet. Erst um das Jahr 1900 war wieder eine Verbesserung zu spüren. Vereine hatten sich gebildet. Die Hauptstraße zur Flurgrenze Vieselbach wurde gepflastert. Eine Feldscheune wurde 1900 erbaut und das Getreide mit zwei dampfbetriebenen Dreschmaschinen gedroschen. Im Jahre 1911 wurde die Friedhofskapelle erbaut.

1914-18
Erster Weltkrieg

Auch der 1. Weltkrieg von 1914 bis 1918 brachte viel Not, Trauer und Hunger in den Ort.

Ein sehenswertes gepflegtes Denkmal an der Oberen Schule schuf Kurt Kluge aus Leipzig.

Inflations- und Arbeitslosenzeit hinterließ ebenfalls Spuren im Ort. Mit dem Bau der Autobahn fanden viele Arbeitslose wieder Arbeit und Brot.


1945
Ende des Zweiten Weltkriegs
Aus dem 2. Weltkrieg kehrten ca. 50 Soldaten des Ortes nicht zurück. Etwa 400 Heimatvertriebene fanden Unterkunft in unserer Gemeinde.

1954
Gründung der DDR, Stärkung der Landwirtschaft


Kurz nach Gründung der DDR begann 1954 im Dorf die Sozialisierung der Landwirtschaft. 1960 war Niederzimmern ein vollgenossenschaftliches Dorf. Für die LPG gab es viele Rückschläge durch Klauenseuche, Mißernten und Futtermangel. Mit dem Bau der Schweinezuchtanlage (von 1969 -1973) und des Trockenwerkes wurde auch eine Aufwärtsentwicklung für die Landwirtschaft erreicht. Von 1975 bis 1978 erfolgte der Bau der Staumauer an der Gramme zwischen Niederzimmern und Hopfgarten. Mit der Entwicklung der Landwirtschaft wurde auch Positives für das Dorf erreicht. So sind zu nennen: Straßen- und Gehwegebau, Kindergarten, Kinderkrippe, Neubauwohnungen, Eigenheimbau, Sport und Kultur, Kanalisation, Neubau Schule und mehr. Nachteilig wirkte sich aus, daß viele typischen Dorfdenkmale wie Bogentore, Mauern, Fachwerke an Häusern und Scheunen, Brunnen, Bodendenkmale, Wappensteine usw. zum Opfer gefallen sind, von denen heute nur noch ein Teil auf Fotos der Nachwelt erhalten sind.

1990
Wiedervereinigung, schwierige Umstellung auf Marktwirtschaft

Mit der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten verlor die Landwirtschaft wie überall, auch in Niederzimmern an Bedeutung. Die Umstellung der Planwirtschaft auf Marktwirtschaft bereitet auch hier große Probleme. Arbeitsplätze gingen verloren.

Verbesserte Lebensqualität
Doch es dauerte nicht lange und man spürte im Dorf, daß es weiter voranging. Straßen, Plätze, Häuser, Grünanlagen usw. entstanden bzw. wurden restauriert. Dazu trug auch die Anerkennung als Förderschwerpunkt der Dorferneuerung bei. Denkmale, alte Gehöfte und Häuser kamen auf die Denkmalliste.
Das private Handwerk blühte wieder auf und brachte Arbeitsplätze. Vereinsleben ist im Ort nicht mehr wegzudenken und fördert die Beziehungen zwischen den Bürgern untereinander.

Durch die kluge Umsicht des Gemeinderates, der Bürger und der Vereine entwickelt sich unsere Gemeinde zu einem attraktiven Wohnstandort im Grünen, in dem es sich auch in Zukunft arbeiten und gut leben läßt.


Quellenverzeichnis: Ortschronik

Walter und Gudrun Kirnich